Beurteilung skandinavischer Herkünfte

Es ist überaus erfreulich, wie groß das Interesse an der Dunklen Biene skandinavischer Herkunft ist. Oft werden Fragen nach der imkerlichen Beurteilung dieser skandinavischer Linien laut. Deshalb möchte ich hier einmal meine ganz persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen niederschreiben.

Zu Beginn sei erwähnt, dass ich ausnahmslos jedes Zuchtvolk vor Zuchtbeginn auf Reinheit prüfe. Dies geschieht mittels Flügelmessung. Es ist erfahrungsgemäß in keinster Weise so, dass man mit der Vermessung eines Volkes auf die Reinheit der ganzen Linie schließen darf! Bei jeder freien Anpaarung kann es zu Verkreuzungen kommen. Aus diesem Grund vertrete ich den Standpunkt, dass man jedes potentielle Zuchtvolk neben der rein optischen Beurteilung auch noch vermessen sollte! Es gibt auf jeden Fall in den skandinavischen Ländern vorzügliches Zuchtmaterial. Aber etwas Glück gehört eben auch dazu und nicht jede importierte Königin muss automatisch rein sein!




Meine reinen Zuchtvölker, sowie auch die F1-Völker zeichnen sich durch angenehme Sanftmut aus. Natürlich sind sie im Vergleich mit einer Buckfast auffallend schneller auf den Waben unterwegs. Aber man lernt sehr rasch und gut mit dieser umgangssprachlichen Wabenflüchtigkeit umzugehen. Einige wenige F2-Völker habe ich auch immer. Diese sind auch nicht aggressiv.

Zu bedenken wäre hier auch, dass jeder Imker mit seiner persönlichen Art und Betriebsweise zum Verhalten seiner Bienen beiträgt. Auch der Standort, das Wetter oder die Trachtsituation wirken sich auf das Verhalten einer jeden Bienenrasse aus! Zu meiner eigenen Standbegattung sei noch erwähnt, dass ich genau wie jeder andere Kollege bei seiner Standbegattung keinen Einfluss auf alle Drohnen haben kann. Die rein optische Reinheit, sowie auch in gewissen Grenzen das Verhalten, schwanken zwischen den Serien. Dies liegt mitunter an Wanderimkern, welche einige Trachten hier anwandern.

Die Entwicklung meiner skandinavischen Völker finde ich bemerkenswert. In diesem Winter (14/15) hatte ich erstmalig einige schwächere Völker, die mir deutlicher als jedes starke Volk zeigten, welche Lebenskraft in dieser Biene steckt. Zwei Völker besetzten nach dem langen Winter (oder besser: spätem Frühjahr) nur 3 Waben. Aber binnen weniger Wochen sind sie aus eigener Kraft erstarkt. Eine kleine Honigernte zur Obstblüte war sogar bei diesen Völkern möglich. Zwar hatte ich mir nach der ersten Durchsicht echt Sorgen um diese Völker gemacht. Diese Sorgen waren aber schlussendlich unbegründet.




Meine 2-zargig (Zander) überwinterten Völker besetzen im Sommer regelmäßig 4-5 Zargen und liefern Bienen und Brutwaben für Sammelbrutableger und diverse Kunstschwärme. An dieser Stelle kann ich auch mal erwähnen, dass die skandinavischen Dunklen-F1 hervorragend für die Frühtracht und alle Folgetrachten geeignet sind. Entgegen vieler Aussagen. Natürlich hat es keinen Sinn jetzt hier Kilo-Angaben zu nennen. Die wären ja niemals vergleichbar. Ich kann aber guten Gewissens sagen, dass meine F1-Völker mindestens genau so viel Honig einbringen, wie meine Carnicavölker in früheren Jahren. Abstriche musste ich keine machen. Zum Ertrag meiner Reinzuchtvölker kann ich natürlich nichts sagen. Diese Königinnen werden in MiniPlus-Einheiten geschont und die Völker regelmäßig geschröpft. Die sind viel zu kostbar für ein Wirtschaftsvolk!

Zum Schwarmverhalten ist zu sagen, dass es natürlich vorhanden ist. ... Wäre ja auch schlimm, wenn nicht! ... Bei meinen Zuchtvölkern im MiniPlus gibt es gar keine Probleme. Diese Völker werden regelmäßig geschröpft. Mit meinen F1-Völkern habe ich auch nicht mehr Arbeit, als mit jeder anderen Biene. Sobald ich offene Weiselzellen sehe, teile ich das Volk in Brutling und Flugling für die Zeit von 2-3 Wochen, je nach Trachtsituation und Stärke. Nach dieser Aktion hat sich das Schwärmen für das laufende Jahr auch erledigt und die Sammelleistung bleibt erhalten. Zur Schwarmkontrolle sei gesagt, dass ich mich ausschließlich auf die wöchentliche Kippkontrolle beschränke. Die Zeit, alle Völker wabenweise durchzusehen, habe ich nicht. In der Regel genügt diese Kontrolle auch immer. Ein zusätzlicher Blick auf den Wildbau im hohen Boden ist auch nie verkehrt.

Das vielerorts angesprochene Thema Varroa ist natürlich auch bei der Dunklen aktuell. Selbstverständlich lebt die Milbe auch in Völkern unserer Dunklen Biene und kann diese zum Zusammenbruch bringen. Eine verantwortungsbewusste Behandlung ist unablässig. Mir scheint aber, dass die Dunkle den Varroabefall unter günstigen Umständen etwas besser verkraften kann als andere Rassen. Dies führe ich auf die erhöhte Lebensdauer jeder Einzelbiene zurück. Ausfälle können somit eine gewisse Zeit überbrückt werden. Die längere Brutpause im Winter ermöglicht eine wirkungsvolle Winterbehandlung. Von einer Varroaresistenz zu sprechen, halte ich jedoch schlicht für falsch und unverantwortlich!


Abschließend kann ich sagen, dass ich es nicht bereue, mich für die skandinavischen Herkünfte entschieden zu haben.




Aktuelle Zuchtkarten aus Schweden: Schwedische Melliferazuchtlinien 2014